Sunrise Avenue in der ausverkauften Tonhalle

Veröffentlicht am 16 Mrz ,2013 | von Stephanie Rummel

Sunrise Avenue in der ausverkauften Tonhalle

Was verstehe ich unter „Big Band“? Vermutlich eine mehrköpfige Band, die Sinatra-Klassiker und aktuelle Hits in einen fetzigen Sound verwandeln, zu dem man nicht mehr still sitzen kann und dann doch das Tanzbein schwingen möchte. So jedenfalls meine Erfahrungen.

Umso neugieriger war ich, als es am Freitagabend in die ausverkaufte Tonhalle ging. 2.100 Karten wurden verkauft, die Halle kurz vor Konzertbeginn bis zum Eingang hin mit Menschen voll. Stimmengewirr, viele unterhalten sich, wie es wohl sein wird so im „Big Band Theory“-Style. Die ersten brüllen bereits „Bye, bye Hollywood Hills…“ und ein großes Raunen geht durch die Menge, als das Licht ausgeht und der Support auf die Bühne kommt.

Sunrise Avenue haben sich wieder in der finnischen Musikszene bedient und eine noch recht junge Band mit auf die Tour genommen, die derzeit durch Europa führt. „Superscar“ sind vier junge Männer, die laut eigener Aussage eher „dunkel“ spielen wollen. Diese Ansicht kommt trotz Lederoutfit des Frontmanns nicht ganz rüber. Der Auftritt spielt sich eher im gängigen Rock-Pop-Bereich ab, aber dies gelingt den Finnen durchaus überzeugend. Auch das Münchner Publikum empfindet dies so und kommentiert das am Ende mit langem Applaus und Zurufen. Aufgrund von fotographischen Tätigkeiten kann auf die Setlist nicht eingegangen werden.

Gegen neun kamen dann endlich Sunrise Avenue unter lauten Polizeisirenen und Rotlicht auf die Bühne. Für viele doch etwas abschreckend, da sich „Police Squad“ nicht wirklich als Intro für einen Big Band Auftritt eignet. Osmo Ikonen, der wieder als Keyboarder für die Band bei der Tour dabei ist, ruft Sänger und Bandleader Samu Haber auf die Bühne und schon gab es für die zumeist weiblichen Fans kein Halten mehr. Lautes Kreischen folgte, als der große, blonde Finne in einem für ihn ungewöhnlichen Aufzug auf die Bühne tritt: schwarze Jeans, weißes Hemd, Krawatte, Weste und Jacket. Generell haben alle ihre besten Kleider aus dem Schrank geholt und ergeben so ein harmonisches Bild.

Samu Haber beginnt den Abend mit dem Song „I gotta go“, der auf dem dritten Studioalbum der Band zu finden ist. Des Weiteren wurden folgende Songs gespielt:
I don’t dance
Out of Tune
Angels on a Rampage
Stormy End
Happiness
Olvida me (Fairytale gone bad auf Spanisch)
6-0
Destiny
Hollywood Hills
Bye Bye (One Night Kind)
Nasty

Nüchtern betrachtet ist das Projekt “Big Band Theory” ganz gut gelungen. Das Münchner Publikum war hellauf begeistert und gehörte laut Sänger Samu Haber zu dem lautesten Publikum der ganzen Tour – wohlgemerkt war München auch das einzig ausverkaufte Konzert in Deutschland.

Ein Schwachpunkt bot leider „Olvida me“. Zwar ist die Idee, den Dauerbrenner „Fairytale gone bad“ auf Spanisch neu zu interpretieren, toll und es hört sich auch wahnsinnig gut an. Leider war das Publikum stark irritiert und konnte – obwohl es den Song von Anfang bis Ende mitsingen wollte – nicht wirklich agieren, da den meisten diese Version unbekannt war und die Spanischkenntnisse verständlicherweise nicht bei jedem vorhanden waren. So bekam die gute Stimmung des Publikums einen leichten Dämpfer und man genoss still den Song, quittierte dies aber trotzdem mit großem Beifall.

Der „German Schlager“ Bye Bye wurde bereits vor einiger Zeit in der Setlist als „Beat Box“ Version eingebaut und dann wieder rausgenommen. Nun präsentierte sich dieser Song als a apella Version. Hier konnte man sich überzeugen, dass Samu Haber, Riku Rajamaa, Osmo Ikonen und Raul Ruutu alle eine sehr gute Stimme besitzen und diese gekonnt einzusetzen vermögen.

Destiny und Nasty (welches nach längerer Zeit wieder in die Setlist aufgenommen wurde) wurden erneut mit verschiedenen Medleys von aktuellen und legendären Songs gemixt und haben das Publikum animiert, zu „Gangnam Style“ und „Hey Baby“ die Hüften zu schwingen – soweit dies in der engen Halle möglich war.

Nach etwa 90 Minuten war die „Theory“ vorbei, das Publikum, erschöpft und größtenteils sehr zufrieden, schob sich langsam gen Ausgang.

Persönlich hat es mich leider nicht vollständig überzeugt. Mit fehlte eine richtige Big Band. Zwar haben die insgesamt vier zusätzlichen Musiker (Posaune, Trompete, Saxophon, Percussions) einen mehr als guten Job geleistet und sensationelle Soli hingelegt, aber es ersetzt nun einmal keine komplette Big Band.
Auch der Mix aus rockigen, soften, akustischen und swingenden Elementen hat mich eher irritiert, wie fasziniert.
So bin ich – nach vielen Konzerten dieser Band – eher ohne den „Wow“-Effekt aus der Halle gegangen und mit gemischten Gefühlen nach Hause gefahren.

Für alle, die die Band gerne noch einmal hören möchten:
Nach der Tour soll ein Live-Album zur Tour erscheinen, auf welchem die besten Aufzeichnungen der gesamten Tour zu finden sein werden. Ein genaues Erscheinungsdatum ist noch nicht bekannt. Chocolate Music wird euch aber rechtzeitig darüber informieren.

Sunrise Avenue
Fotos: Patrick Schmidt

Superscar
Fotos: Patrick Schmidt


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