REA GARVEY: Jeder mag doch ein Kompliment. Die Frage ist, ob du das brauchst oder nicht!

Veröffentlicht am 13 Feb ,2015 | von Stephie Rupprecht

REA GARVEY: Jeder mag doch ein Kompliment. Die Frage ist, ob du das brauchst oder nicht!

07. Februar 2015 – München, Zenith

Was gefällt Dir an Deutschland am Meisten?
Ich bin jemand, der gerne diesen natürlichen Flow spüren möchte. Ich habe das Gefühl, das ich hier hin gehöre und hier sein sollte. Der Erfolg bestätigt das zum Teil. Ich fühle mich hier nicht fremd. Ich fühle mich hier schon ziemlich zuhause.
Ich bin jemand, der sich auch gerne anpasst. Ich bin Gast in diesem Land und verhalte mich auch wie ein Gast. Aber der Gastgeber ist auch sehr nett. Deswegen ist es das richtige Land für mich.
Wie gesagt, dieser natürliche Flow. Das kann sich natürlich auch ändern. Ich weiß ja nicht, wo das Leben mich hinführt. Aber ich denke gar nicht so viel darüber nach. Ich mache einfach. Aber es gibt so viele Sachen an Deutschland, die man mögen kann.
Der Vorteil, dass ich nicht hier aufgewachsen bin, ist das mir hier immer noch alles neu ist. Es gibt eine ganz große Portion von Deutschen, die in Deutschland ihren Urlaub verbringen. Viele verreisen natürlich auch, Deutsche sind gerne unterwegs in ihrem Sommerurlaub. Aber in Deutschland kann man echt einen super Sommer verbringen. Da ist viel im Angebot, auch zum Sehen. Man ist beeindruckt von Sachen, wo man denkt, dass man die nur im Ausland sehen kann.
Ich mag die deutsche Kultur. Man muss einfach die Augen aufhalten.

Trainierst Du Deine Stimme und wenn ja, wie?
Absolut! Ich habe meine Stimme fast verloren. Jemand hat mir geholfen, sie wieder zu finden.
Ich habe nie so wirklich Training gehabt. Also keinen Unterricht. Ich habe ein, oder zwei Stunden Atemtraining gemacht. Das war wichtig, weil ich als Straßenmusiker sehr laut war. Da habe ich gelernt, wie man die Aufmerksamkeit von anderen bekommen kann.
Aber Fakt ist einfach, ich trainiere eine Stunde jeden Tag. Manchmal zwei Stunden.
Das sind Übungen. Und wenn ich ganz ehrlich bin, das Schöne daran ist, ich schaffe damit eine Stunde, in der mich keiner stört.
Ich kann einfach da sitzen, mache meine Übungen und bin für mich da. Es ist ein schöner Weg mich vorzubereiten auf die Show. Ich mache das schon seit fünf, sechs Jahren.

Singst Du Deine eigenen Songs mit, z.B. wenn Du sie im Radio hörst?
Nee. Nee.
Ich höre meine Songs im kreativen Prozess. Da bin ich extrem egoistisch. Da höre ich fast nur meine Musik. Das finde ich aber auch in Ordnung, weil man sich ja komplett damit beschäftigen will.
Wenn du deine eigene Musik die ganze Zeit hörst. Im kreativen Prozess ist es, weil du kritisch bist. Das heißt, Du arbeitest daran. Dann bist du eineinhalb Jahre mit dieser Musik beschäftigt und bist irgendwann froh, das hinzulegen. Du sagen kannst, ich bin damit fertig.
Ich genieße es dann, live zu spielen.

Aber eine große Freude ist es, es im Radio zu hören. Da mache ich es schön laut. Aber mehr mit den Gedanken, dass das immer ein Traum war. Seine Musik im Radio zu hören und zu wissen, dass es in diesem Moment viele andere auch hören.

Musst Du denn Deine Texte noch üben, um Dich nicht zu versingen?
Ich versinge mich … manchmal. Das ist auch ok.
Es ist so witzig, weil ich mir gar nichts merken konnte in der Schule. Gedichte und sowas. Gebete zu lernen das war alles Pflicht. Nicht eine Pflicht die man genossen hat. Und dann irgendwann ist man Songwriter…
Ich habe das Gefühl das funktioniert aber anders. Ich kann mir den Text super gut merken, wenn ich die Nähe zu dem Thema habe. Ich muss nicht an den Text denken, ich muss an das Thema denken und dann kommt das alles wieder. Aber manchmal vergesse ich den Text halt. Wichtig ist einfach, das ich nicht alles durcheinander bringe.
Ich sage den Fans auch immer, sie müssen aufhören Plakate hochzuhalten während der Show. Weil ich lese die, und dann komme ich komplett aus der Bahn. Aber das passiert auch manchmal.

Was inspiriert Dich beim Songwriting?
Relative Sachen. Ich finde Themen ganz spannend. Man muss irgendwie eine Liebe zu dem Thema haben. Es kann auch extrem einfach sein. „Oh my Love“ würde ich sagen, ist eines der einfachsten Themen, die ich je hatte als Inspiration.
Genug Inspiration, das man bei dem Thema bleibt, bis man das Lied hat. Es ist witzig, weil Du dir das komplizierteste, komplexeste Thema ausdenken kannst für ein Lied. Aber das kommt nie rüber. Keiner versteht das und vor allem du selber nicht. Ich glaube die meisten würden sagen, es gibt sowieso nur ein, zwei Themen, die man haben kann. Aber bei Inspiration geht es um Erlebnisse und Erfahrungen. Erfahrungen von anderen, die du kennst. Dann stehst du da und denkst Wow.
„Supergirl“ vom ersten Tag – das sind halt Dinge, die mir wahnsinnig viel bedeuten. Dann kann man leicht darüber schreiben.

Wie geht es mit The Voice of German weiter?
Ich bin auch gespannt. Ich wurde schon mal gefragt, ob ich es weitermachen würde. Ich habe gesagt, grundsätzlich ja. Wir versuchen halt irgendwie das hinzukriegen.
Fernsehen ist ein crazy Town. Das ist ganz anders als Musik machen. Aber das ist auch schön daran. Ich glaube, wenn man so viel Musik macht, wie ich, dann hat man gerne auch mal Abwechslung. Wo man irgendetwas Neues erlebt. Es inspiriert auch mit anderen Musikern zu arbeiten. Du tauchst komplett ab in die Musik des anderen. Das ist was ich persönlich super schön finde.

Hast Du denn noch Kontakt zu Nick Howard?
Ich habe Nick schon lange nicht mehr gesehen, weil er einfach Nonstop auf Tour ist. Ich freue mich für ihn, dass es tatsächlich funktioniert. Man sieht es zum Beispiel bei seiner Facebook Page, das er mehr und mehr Fans hat. Ich bin sehr gespannt, wann und wo Nick irgendwann ankommt, weil man nicht nur auf Tour bleiben kann. Ich bin sehr gespannt auf die nächste Platte von ihm.

Nick hat soeben sein Live-Album veröffentlicht. Wie schaut es bei Dir mit einem Live-Album aus?
Mit so vielen Youtube-Meldungen, Aufnahmemöglichkeiten, Facebook, denke ich mir „Was ist eigentlich der Reiz an einem Live-Album?!?“ Ich habe es noch nicht wirklich gefunden.
Ich finde Live-Alben sind…also entweder du machst sie halt richtig und das kostet ein Vermögen, weil du machst dann auch eine DVD dazu. Das ist dann aber ein riesiges Event. Das ist wahnsinnig viel Stress und ich frage mich immer, ob ich das dem Publikum antun will. Das Publikum wird dann schnell zweitrangig. Das finde ich unfair!
Gerade bei so einer Tour, wo alle Termine ausverkauft sind, frage ich mich einfach, ist es fair, einem Publikum zu sagen, wir machen jetzt hier eine DVD, ihr seid zweitrangig.
Viele würden sagen, das ist nicht so, aber doch! Weil Du hast einen Kran, der viel Platz einnimmt und er steht immer im Weg. Alle sind angespannt, weil es eine DVD ist.
Ich bin einfach kein Fan davon.
Ich habe ein Booklet von Pearl Jam in Irland von vor fast 20 Jahre. Das ist eine wahnsinnig schlechte Aufnahme. Aber es zu haben, war ganz wichtig. Der Gebrauch ist heute einfach nicht mehr da. Mit einem Handy bekommst Du eine ziemlich akkurate Aufnahme und der Reiz ist einfach nicht da.
Wir nehmen ja jeden Abend auf. Aber wenn ich das mache, dann würde ich es einfach jedem geben. Gut ich weiß nicht, ob die Plattenfirma das auch so sieht, aber. ..aber im Moment ist das einfach nicht der Reiz für mich.

Was gibt es für ein Ritual bevor Du auf die Bühne gehst?
Ich bin immer gerne bei der Band für die letzte halbe Stunde.
Ich habe aber auch kurz meine eigene Zeit, jeder braucht seine eigene Zeit bevor wir auf die Bühne gehen. Nicht weil es anstrengend ist, mehr weil es aufregend ist.
Dann sind wir gerne zusammen. So eine halbe Stunde vor der Show.
Wir nehmen uns in den Arm, es wird etwas gesagt. Eigentlich wird angesprochen, was wir gleich machen. Nicht du machst heute das, das und das. Sondern was für eine Ehre es ist, auf der Bühne vor so vielen Menschen zu stehen. Als Musiker träumst du immer genau davon.
Dann sage ich ein kurzes Gebet und denke an jeden den ich liebe.
Anschließend gehe ich auf die Bühne.
Das ist dann wie ein Schalter. Ich fühle mich auf der Bühne sehr Zuhause gerade.
Schon mehrere Jahre. Seit ich Solo unterwegs bin. Das war für mich eine große Veränderung, die ich aber, glaube ich gebraucht habe. Ich fühle mich super wohl auf der Bühne.

Wie stellt sich eine Setliste zusammen?
Das braucht bei mir ein, zwei Wochen zum Schreiben. Ich denke dann wie es sein könnte. Die Show ich nicht choreografiert, aber es ist Timing. Ich will für mich ein Gefühl. Ich will, dass es mich an meine Grenzen bringt und ich mitten im Publikum bin. Dafür musst du Lieder haben.
Ich habe bei den ersten Shows ein bisschen Reamonn gespielt. Das war wichtig für mich, so ein gewisses Übergangserlebnis.
Als ich in meinem Kopf damit abgeschlossen habe, habe ich bei einem Konzert „Supergirl“ gespielt – die Reaktionen waren Wahnsinn. Ich dachte geil, dann spiele ich es eben nochmal.
Das Schöne an Musik ist, dass es da irgendwann eine Sehnsucht gibt und du willst sie wieder hören. Es ist dann schön zu merken, dass es den Fans auch so geht. Ich finde es nicht nur bei meiner Musik, sondern auch bei Musik von anderen so. Ich habe bei einer Tour von Bastille „Pompeii“ gespielt. Das war Wahnsinn. Ich liebe das Lied, und das live zu spielen machte mir auch Laune.

Du hast schon erwähnt, Dich selbst im Radio zu hören ist ein cooles Gefühl.
Wie ist es, wenn Du etwas in Zeitungen oder Facebook über Dich liest? Sei es positiv wie auch negativ. Wie denkst Du darüber? Oder interessiert es Dich gar nicht?

Ich könnte Dich jetzt anlügen und sagen, nein. Aber Fakt ist: Über diese Tour hat es mich sehr interessiert. Ich wollte wissen, wie es ankommt. Ich habe jeden Bericht verfolgt. Ich freue mich, weil sie zu 100 Prozent positiv gewesen sind. Ich würde mich ansonsten fragen, warum jemand etwas Schlechtes schreiben würde, wenn es gut ist. Medien sind nicht berechenbar. Ich habe Medien in jeder Form erlebt. Ich wollte einfach wissen, wie diese Show ankommt. Wir hatten extrem viel Arbeit hineingesteckt. Bei den Fans kommt es unglaublich gut an und bei den Medien auch.
Jeder mag doch ein Kompliment. Die Frage ist, ob du das brauchst oder nicht.
Ich brauche das nicht, aber ich mag es. Wenn jemand etwas Schönes schreibt, dann freue ich mich darüber. Kritisieren ist auch ok, aber ich mag konstruktive Kritik.

Was machst Du in Deiner Freizeit? Wie erholst Du Dich? Wie schaltest Du ab?
Nicht so leicht, aber ich mache auch das was ich liebe. Ich glaube aber bald muss ich mal den Stecker ziehen für ein paar Wochen. Der Terminplan ist ziemlich massiv, dann ist das Problem, dass man sein Privatleben vergisst.
Meines ist mir wahnsinnig wichtig und deswegen versuche ich immer, es nicht zu vergessen. Aber man muss sich immer wieder mal daran erinnern. Nicht nur an dein Privatleben, auch an dich selbst. Also Musiker sagt dir jeder, wenn du oben bist, kannst du nicht einfach so pausieren. Dann muss man mit der Welle gehen, aber eigentlich muss man einfach immer daran glauben, dass man das Ziel erreichen kann. Die Energie die man braucht, für eine Tour, ein Album oder eine Fernsehenshow, muss man irgendwo holen.

Kannst du auf einen Elternabend gehen?
Es gibt manche Funktionen, die schwierig sind, weil Leute aufgeregt sein würden. Aber in der kurzen Zeit, wo man sich kennenlernt, merkt man, dass ich eigentlich die Aufmerksamkeit nicht brauche. Ich bin gerne bei solchen Dingen, weil ich eine Meinung zu allem hab.
Ich wurde einmal zu einer Hochzeit eingeladen, wo ich gesagt habe „Nein, ich komme nicht“. Obwohl es ein Freund von mir war, aber ich habe ihm gesagt, es ist sein Tag und wenn ich da antanze, dann nehme ich von ihm und seiner Frau ein gewisses Licht weg, was nicht sein sollte.
Ich bin für Euch da, aber diesen Tag sollt ihr für Euch haben.
Ich würde das nicht negativ betrachten, aber es ist einfach so.

Was ist Deine Lieblingsschokolade?
Ähm…was ist meine Lieblingsschokolade???
Bist Du überhaupt ein Schokoladen-Esser?
Absolut!!! Es gibt in Irland so eine Art Caprice. Karamell – super lecker.
Toffifee ist auch super lecker!

Heute Abend ist es ausverkauft. Du kommst aber wieder zum Sommernachtstraum…
Ja! Ich freue mich total, dass ich im Sommer wieder hier spiele. Ich habe viel zu wenige Sommerfestivals gespielt in den letzten Jahren und Billy Idol hat mich auf jeden Fall beeinflusst als Junge. Er hat einfach das gesagt, was wir sagen wollen. Ich fand ihn cool.
Ich freue mich eine Bühne mit ihm zu teilen. Ich werde neben der Bühne sitzen und eine Dose aufmachen. Das genießen.
Revolverheld liebe ich und Gregor Meyle ist auch dabei. Freue ich mich, habe ihn nie live gesehen. Das Feuerwerk…ich bin gespannt.


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