Michael Mittermeier im Interview nach drei ausverkauften Shows im Münchner Circus Krone!

Veröffentlicht am 19 Okt ,2013 | von Stephie Rupprecht

Michael Mittermeier im Interview nach drei ausverkauften Shows im Münchner Circus Krone!

Nach drei ausverkauften Shows im Münchner Circus Krone, nahm sich der bayrische Komiker Michael Mittermeier telefonisch noch Zeit für ein paar Fragen.

Chocolate Music:
Erst einmal ein großes Dankeschön für den gestrigen, letzten Abend im ausverkauften Circus Krone.
Klasse Programm, super lustig, einfach top!
Nachdem ja scheinbar viele Journalisten diese Frage stellen, möchte auch ich sie sicherheitshalber stellen ;)
Hatten die Deutschen bei der Wahl einen Blackout?

Michael Mittermeier:
Blackout hieße ja, dass die Leute zu blöd sind, zu wissen was sie wählen.
Sie haben schon ganz bewusst gesagt, wieso brauchen wir eine Vision. Wir nehmen das, was nicht weh tut. Also kreuzen wir das an.
Wie ich gesagt habe, die Raute kannst Du aber einfach nicht schlagen.
Die Raute war schon immer in der Comedy ein spezielles Zeichen.
Raute sticht Eichel-Ass.

Chocolate Music:
Viele stellen sicherlich auch immer wieder die Frage, sind Sie privat lustig!
Mich interessiert aber viel mehr – Sind sie im Interview witzig?

Michael Mittermeier:
Es kommt immer drauf an, was es für ein Interview ist. Es gibt ernstere Interviews mit ernsten Themen und dann gibt es Interviews, da wird nur Spaß gemacht. Ich bin da nicht festgelegt. Es kann mal so sein und mal so. Ich bin aber kein zwanghafter Humorarbeiter.

Chocolate Music:
Sind Interviews Pflichttermine für Sie?

Michael Mittermeier:
Wenn ich es nicht mögen würde, würde ich sie auch nicht machen. Da wäre mir die Zeit für zu schade. Man macht ja das, woran man auch Spaß hat. Ich glaube, dass ist das Geheimnis.
Wenn es zu viel wird, dann einfach weniger machen.

Chocolate Music:
Ein Zitat vom gestrigen Abend „Nur ein krankes Gehirn kann sich so etwas ausdenken!“
Wie lange brauchen Sie, bis ein neues Programm bühnenreif ist?

Michael Mittermeier:
Das ist immer schwer zu sagen. Dieses Mal war es relativ schnell.

Wir fangen immer ganz roh an. Erst mit Ideen und Fragmenten. Wo geht das hin. Du hast einen Titel. Was ist das Bild, das Du haben willst. Welche Ideen hat man schon. Vielleicht eine Nummer, die man schon einmal bei einem anderen Programm probiert hat. Das hat da nicht reingepasst.

Mit solchen Fragmenten geht man dann auf die Bühne und macht sogenannte Tryouts. Da ist das meiste dann improvisiert und so entstehen dann wunderbare Nummern.
So wie zum Beispiel die „Japaner-Nummer“ oder „Extasia“. Die sind aus reinen Improvisationsnummern entstanden.

Chocolate Music:
Wie viel lernt man schließlich auswendig und wie viel ist an jeden Abend selbst noch improvisiert?

Michael Mittermeier:
Texte lerne ich wenig!
Wenn man sie zu sehr lernt, dann sind sie in sich geschlossen. Dann kommt nix mehr Neues hinzu.
Es gibt aber tatsächlich Formulierungen, also viele Formulierungen am Abend, die brennen sich wirklich so ein, dass du sie jeden Abend gleich sagst.
Wenn du sie so sagst, sind sie großartig, sagst du sie mit einem Komma, lacht kein Mensch.
Wirklich, das kannst Du ausprobieren! Den selben Satz in zwei, drei Versionen sprechen. Eine davon wird es sein, die es ist.
Aber auch wenn ein Programm fertig ist, schleichen sich immer wieder Improvisationen ein. Gestern Abend zum Beispiel die Kino-Gravity-Geschichte oder die Nummer mit der Merkel. Das ist ja keine Nummer, die ich fest im Programm hatte. Die Eine ist am Montag so entstanden.
Diese Sachen entstehen einfach so, verdrängen vielleicht mal die eine oder andere Nummer. Eine fliegt raus und dafür kommt einen Neue hinzu.

Chocolate Music:
Wie verändert sich ein Programm über eine ganze Tour hinweg?

Michael Mittermeier:
Es gibt keine Prozentzahl.
Ich habe Programme gehabt, da hat sich zu 80% nichts geändert. Dann gibt es Programme, da ändert sich die Hälfte. Es gibt Programme, wo das Gerüst schon ziemlich bleibt. Aber es ändert sich insgesamt schon viel. Wie viel es letztendlich ist, kann ich nicht sagen, aber 20-30% sind es schon.

Chocolate Music:
Macht das Improvisieren mehr Spaß oder sich an seine Struktur zu halten?

Michael Mittermeier:
Die Kombination ist es. Du kannst nur improvisieren, wenn Du eine Sicherheit hast, mit tatsächlichen Geschichten. Du hast eine Struktur. Du hast deine Sachen, wo Du weißt, dass sie funktionieren. Dann kannst du zwischendurch aussteigen und wieder zurückkommen.

Chocolate Music:
Gibt es Nummern, die nicht funktionieren. Nummern, bei denen man zu tausend Prozent mit einem Lacher rechnet, dann aber nichts im Publikum passiert? Wie oft kommt so etwas vor?

Michael Mittermeier:
Das gibt es immer. Es gibt einfach Nummern und Themen, bei denen man sich denkt, die funktionieren sicherlich. Dann überlegt man sich Dinge und merkt, das führt nirgends hin.
Da funktionieren vielleicht einzelne Pointen, aber es funktioniert nicht als Ganzes.

Chocolate Music:
Wer bekommt das Programm als erstes zu hören?
Also Jemand der vor der Premiere das ganze Stück zu hören bekommt, um selbst rein zu kommen und zu sehen, wie vielleicht Freunde und Bekannte reagieren. Bevor man an die Öffentlichkeit geht…

Michael Mittermeier:
Vor der Premiere macht man die Tryouts.
Aber die Tryouts sind vor zahlendem Publikum. Du kannst so etwas nur vor zahlendem Publikum testen, weil nur ein regulärer Gast so reagiert, wie ein regulärer Gast.
Also machst du die Tryouts vor zahlendem Publikum. Da ist das Programm noch nicht fertig, aber es entsteht viel Neues. Das kostet halt nicht so viel, aber es muss schon Geld kosten.

Chocolate Music:
Kommen wir zum aktuellen Programm. Wie würden Sie jemanden, das neue Programm BlackOut schmackhaft machen?

Michael Mittermeier:
Es ist immer schwierig, von sich selbst zu sagen…ich kann nur sagen, dass bis jetzt alle Leute glücklich aus dem Programm gegangen sind. Ich höre viele gute Stimmen. Die Kritik war schrägerweise einstimmig gut. Ich habe großen Spaß auf der Bühne. Man kann ja auch mal in die CD rein hören und stellt fest, ja das hört sich richtig gut an. Man kann aber auch erst vorbeikommen, es sich live ansehen und dann die CD anhören. Wie auch immer.

Chocolate Music:
BlackOut gibt es nun seit 4. Oktober auf CD. Hören Sie sich selbst das auch immer wieder einmal an?

Michael Mittermeier:
Ja, ja! Ich nehme das ja auf an zwei Abenden und entscheide dann, was man von welchen Abend drauf soll. Ich bestimme ja hauptsächlich was man drauf nimmt.

Auf die CD geht ja nicht die ganze Show. Bei einer CD ist 70 Minuten eine gute Zeit, weil man sich das am Stück anhört. Daher habe ich es schon ganz oft gehört.

Chocolate Music:
Können Sie über sich selbst lachen?

Michael Mittermeier:
Ja. Das sind dann oft Dinge an einem Abend, die so nicht geplant waren. Finde ich dann immer wieder schön. Machen Pointen die liebe ich auch lange.

Chocolate Music:
Gibt es einen Moment in den letzten Jahren, den sie nie vergessen werden?

Michael Mittermeier:
Da waren viele besondere Momente. Da ist es wahnsinnig schwer einen herauszuholen. Der Vergleich ist auch sehr schwer.

Es ist ein toller Moment, wenn du wie jetzt bei BlackOut bei der Premiere oben stehst und du selbst für dich spürst „Hey, das ist echt ein hammer Programm!“ Und das nach 26 Jahren Tour.
Das ist ein toller Moment.

Aber es ist auch ein toller Moment, wenn du in London stehst. In einem guten Theater. In einem kleinen Stand-Up-Theater. Dein Soloprogramm spielst, für zwei Wochen.
Das ist ein besonderer Moment.

Es ist auch ein besonderer Moment mit Jerry Lewis auf der Bühne zu stehen und eine Show zu machen. Die ich gemacht habe, vor ein paar Jahren fürs ZDF.

Das sind immer Dinge, die kann man schwer miteinander vergleichen. Ich habe glücklicherweise viele tolle Sachen machen dürfen.

Chocolate Music:
Was war der persönliche Blackout auf der Bühne?

Michael Mittermeier:
Ich hatte mal eine Nummer über ein Familiendrama. Da ist quasi der Opa gestorben und ich habe einen Kreislaufabsacker bekommen. Habe gemerkt wie ich wegsacke und bin dann irgendwann wieder aufgewacht. Keine Ahnung, wie lange ich weg war.
Hat Keiner gemerkt!
Ich habe einfach weitergespielt. Die Leute haben halt geglaubt, „boah Wahnsinn, wie der einen Sterbenden spielt, das kann keiner wie der Mittermeier!“

Chocolate Music:
Gibt es den Moment, wo man merkt, dass ein Programm ausgespielt ist?

Michael Mittermeier:
Der kommt gar nicht während der Zeit. Bei mir ist es oft so, dass ich nicht merke, dass das Programm ausläuft. Das Programm könnte ich auch ein Jahr länger spielen. Es ist voll. Die Leute kommen, sie würden es auch länger mögen.
Es geht einem eher selbst so, dass man das Gefühl hat, in einem oder zwei Jahren würde ich gerne schon wieder etwas Neues machen. Man muss ja lange vorplanen.
Wir legen jetzt schon die Termine für 2014 fest.
Da kann ich nicht spontan sagen, jetzt hör ich mit dem Programm auf.
Man muss schon lange vorher ein Gefühl haben, wie lange du mit dem Programm touren möchtest oder gibt es andere Sachen, die man noch hat. Aber mir ist noch nie passiert, dass mir langweilig wird mit einem Programm. Gott sei Dank habe ich scheinbar immer rechtzeitig was Neues gemacht.

Chocolate Music:
Zu München: Drei Tage Heimspiel. Drei Tage ausverkauft.
Ist bei Michael Mittermeier ja nichts Besonderes.
Wie geht es einem nach drei Tagen Heimspiel?

Michael Mittermeier:
Es geht einem auf der einen Seite natürlich gut, weil es war super und es ist daheim. Weil natürlich auch viel Freunde kommen oder Weggefährten oder Menschen von der Agentur, Firmen mit denen man zusammen arbeitet. Die auch alle viel und gute Arbeit leisten. Es ist schön, dass man an dem Tag noch zusammen ein Bier trinken kann.

Aber drei Tage spielen ist auch anstrengend! Aber es macht Spaß und am Ende bleibt Freude!

Chocolate Music:
Von vielen Musikern höre ich immer, dass München das schwerste Publikum hat.
Ist Ihnen das auch aufgefallen. Wie viel mehr müssen Sie sich hier anstrengen, um die Menschen zu überzeugen?

Michael Mittermeier:
München war tatsächlich die letzte Stadt die ich geknackt habe.
Also als es bei mir los ging. Bevor die ganzen großen Fernsehensachen kamen.
Ich hatte Berlin geknackt. Ich hatte Hamburg geknackt. Ich hatte Köln geknackt.
München war immer sauschwer für mich.
Als dann aber alles geknackt war, war München immer ein bisschen wahnsinniger als alle anderen Städte. Vielleicht weil „der einer von uns ist!“
Für mich ist das Münchner Publikum super! Kann man sich gar nicht beschweren.

Chocolate Music:
Ist es schließlich auch etwas Besonderes, weil es eben Heimspiel ist. Oder ist es wie in allen anderen Städten auch?

Michael Mittermeier:
Das macht es ja aus, Freund sind da und du willst denen ja auch dein Bestes zeigen. Du willst nicht nur Menschen glücklich machen, die bezahlen, sondern auch die, die dich mögen. Die dann sagen, “hey, war ein gutes Programm.“ Das macht das Ganze schon besonders!

Chocolate Music:
Bei welcher Frage, bekommen Sie einen Blackout?

Michael Mittermeier:
Eigentlich nie, weil wenn ich einen Blackout bekomme, dann gibt es halt eine blöde Antwort. Dann passt das auch.

Mich hat tatsächlich mal eine Journalistin gefragt, weil ich das als Nummer hatte bei „Safari“. Die hat mich wirklich gefragt, „was macht denn ein Komiker an Ostern?“
„Wir kreuzigen einen Hasen und bewerfen ihn dann mit bunten Eiern!“
Die hat es genau so geschrieben und hat auch gar nicht darauf reagiert.
Die dachte, in Bayern macht man das halt so.

Chocolate Music:
Wie sieht die Zukunft von Ihnen aus?

Michael Mittermeier:
Die Zukunft ist weiter auf Tour gehen. Im Ausland, also auch in England zu spielen. Es ist für mich eine Art Herausforderung in englischsprachigen Ländern zu spielen.
Aber die Tour geht ja ewig weiter. Ich will schon noch lange touren!

Chocolate Music:
Das höre ich gerne…und gibt es einen Traum, den sie sich noch erfüllen möchten?

Michael Mittermeier:
Das mache ich gerade, das ist das Ausland. Ein „alter“ Traum! Das war tatsächlich, sich ein Claim im Ausland zu erspielen. Obwohl alle denken, die Deutschen haben keinen Humor.

Chocolate Music:
Abschließend unsere letzte Frage, durch die jeder Interviewpartner durch muss:
Was ist Ihre Lieblingsschokolade?

Michael Mittermeier:
Meine Lieblingsschokolade…ja, ist klar M&Ms.


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