Konzert mit blaue Flecken Garantie

Veröffentlicht am 24 Nov ,2016 | von Carola Schulz

Konzert mit blaue Flecken Garantie

23. November 2016 – München, Backstage Werk

Gerade diese kleinen Verschnaufpausen sind bei einem Royal Republic Konzert dringend von Nöten. Die Songs der Band sind nämlich gefühlt nur dafür geschrieben, das Livepublikum so schnell wie möglich an die Grenzen der konditionellen Leistungsfähigkeit zu bringen.

Gerade „The Weekendman“ erscheint schon bei der Veröffentlichung als absoluter Livehitgarant und auf dem Konzert zeigte sich: Alle Hoffnungen erfüllten sich komplett. „Kung Fu Loving“ und „Walk“ erweisen sich als absolute Pogotanzhits, sodass es im Backstage schlicht kein Entkommen aus dem fröhlichen Gewirr aus mitgröhlenden und selig springenden Körpern gab, blaue Fleckengarantie inklusive. Wer raus wollte, musste sich mit einem gewagten Hechtsprung auf die Stufen retten und schon nach kürzester Zeit glich die Temperatur im Backstage einem Hochofen. Mit der Weisung, doch endlich den inneren „Weekendman“ zu finden und ihm die Führung zu überlassen, gab es dann endgültig kein Halten mehr und die Menge verfiel in völlige Partyekstase. Natürlich erst, nachdem eben dieser ominöse Weekendman durch Grahn mit den Worten „Weekendman will you teach us to be more like you?“ gerufen wurde. Er wollte und das Publikum nahm es dankend an.

Dass Royal Republic aber nicht nur königlich Party machen können, sondern musikalisch durchaus etwas zu bieten haben, zeigt sich bei den studierten Musikern meist in ihren Akkustikstücken, die sie immer wieder einfließen lassen und für deren kreative Ausarbeitung sie inzwischen bekannt sind. Auch an diesem Abend kam das Münchener Publikum in den Genuss einer stripped down Version von „Addictive“. Während Royal Republic auf der Bühne zeigten, dass nicht nur Adam Grahn über Gesangstalent verfügt, schmetterte das Publikum leidenschaftlich den Refrain mit. Eigentlich ist es eigentümlich, dass gerade die Unplugged- Versionen zu einem absoluten Highlight eines jeden Konzertes mutieren. Vielleicht liegt hier der Charme darin, dass sich die Band in diesen Versionen selbst überhaupt nicht ernst nimmt, dabei aber trotzdem mit einer entspannten Leichtigkeit musikalisches Können bietet.

Viele dieser kurzen Pausen gönnten die Schweden ihrem Publikum aber nicht, sodass nach etwas mehr als 90 Minuten mit“Getting Along“ und „Fullsteam Spacemachine“ das Ende eines grandiosen Konzertabends eingeläutet wurde. Alle restlichen Energiereserven wurden abgerufen, zu dem eingängigen Rhythmus bleibt auch nichts anderes als zu springen. Zuvor gab es allerdings noch ein nicht geplantes Lied: Ein Zuschauer verlangte nach „Sailing Man“. Ein verzweifelter Blick Grahns in Richtung Jonas und Hannes und ahnungsloses Schulterzucken von Schlagzeuger Per Andreasson. Vier Jahre hätten sie es nicht mehr live gespielt, so Grahn, aber nach einigen kurzen Anspielern wagten sie sich dran und siehe da: Abgesehen von leichten Texthängern, die das Münchener Publikum aber sangestüchtig übernahm und einer etwas jazzigeren Version, klappte es doch wunderbar.

Was blieb waren völlig erledigte, aber mehr als glückliche Zuschauer und eine Band, die sich bis an den Rand der Erschöpfung gespielt hatte. Besonders bemerkenswert ist hier Per Andreasson, der über den Abend hinweg so erbarmungslos auf sein Schlagzeug eindrosch, dass er am Ende der Show mehr oder weniger hinter seinem Instrument hervortaumelte, um sich noch einmal vom Publikum feiern zu lassen. Das taten die knapp 1800 frenetisch jubelnden Fans im komplett ausverkauften Backstage dann auch ausgiebig und huldigten den Schweden in einem mehr als fünfminütigen Applaussturm. Royal Republic genossen diese Aufmerksamkeit nach getaner Arbeit sichtlich, tanzten erschöpft, zettelten Laolawellen an und verteilten Plecs, Drumsticks und alles, was auf der Bühne entbehrlich war. Alles in allem ein rundum perfekter Konzertabend mit drei guten Bands und Royal Republic, die sich die Krone als herausragende Liveband wieder einmal mehr als verdient haben. Es gibt wenige Bands, die live mehr Spaß machen!

 

Royal Rebublic
Fotos: Weare Photographers – https://www.facebook.com/wearephotographers


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