Fernweh und Sehnsucht mit BEIRUT am Münchener Tollwoodfestival

Veröffentlicht am 11 Jul ,2016 | von Weare Photographers

Fernweh und Sehnsucht mit BEIRUT am Münchener Tollwoodfestival

  1. Juli 2016 – München, Tollwood

Wenn man die Augen schließt, dann fühlt man sich in ein Märchen hineingezogen, irgendwo in Fernost, auf einem Bazar, mitten in 1001 Nacht. Fast vergisst man dann, dass man in einem stickigen und viel zu heißen Zelt auf dem Münchener Tollwood Festival steht und sich verzweifelt ein bisschen Luft zufächelt, damit der Kreislauf nicht vollends in die Knie geht. Aber eigentlich sind die widrigen Umstände egal, Beirut klingen so wunderbar nach einer Mischung aus Sehnsucht und Fernweh, dass man ins Träumen gerät.

Zurückhaltend wirkt die US-Band rund um Sänger Zach Condon, versunken in ihre melancholische und teils doch fröhliche Musik. Gerade die Klavier-Off Beats („No No No“) laden zum Tanzen ein, haben etwas Reaggaehaftes und versprühen Lebensfreude. Gemixt mit den Balkanrhythmen und fernöstlichen Gesangsstrukturen Condons ergibt das ganze einen wirren, aber verdammt gut funktionierenden Mix. Die Musik fängt auf, lädt zum Verweilen ein und lässt die Gedanken wandern. irgendwann kommt dann dieser magische Moment, auf den man bei Konzerten wartet: man verliert sich vollends in der Musik und der Atmosphäre. Spätestens ab da ist es einfach nur noch wunderschön, der Musik zu lauschen.

Gerade auch deshalb funktioniert es, dass Condon nur selten ein Wort an sein Publikum richtet, er hat das schlicht nicht nötig. Die Musik spricht für sich und entfaltet ihren Zauber von ganz allein, es ist keine Animation nötig, um das buntgemischte Publikum nach und nach zum Tanzen zu bringen. Gerade die absolut herausragende Brasssektion zwingt irgendwann zur Bewegung, still stehen ist bei den treibenden Rhythmen nicht möglich, die so sehr nach pulsierendem und lauten Leben klingen. Doch dann sind da Lieder, die so sehr nach Sehnsucht klingen und nach Fernweh. Es ist wunderbar.

Beirut haben eine feine, unaufdringliche Setlist dabei, die so unaufgeregt ist, zwischen eben den träumerischen und energetischen Momenten spielend wechselt, ohne dabei einen wirklichen Stimmungsbruch herbeizuführen. Einfach zauberhaft.

[Carola Schulz]
Beirut
Fotos: Weare Photographers – https://www.facebook.com/wearephotographers


Schlagwörter: ,


Infos zum Autor


Back to Top ↑