Eine Jam Session der besonderen Art

Veröffentlicht am 08 Nov ,2012 | von Patrick Schmidt

Eine Jam Session der besonderen Art

Der Circus Krone in München ist heute am 07. November 2012 Schauplatz für ein einmaliges Konzert. Einer der weltbesten Schlagzeuger lädt zu seinem 70sten Geburtstag Freunde und Weggefährten aus dem Musicbiz zu einer Jam Session in die bayrische Landeshauptstadt ein. Sein Name: Pete York.

Der seit fast 20 Jahren in Berg am Starnberger See lebende britische Musiker wurde bekannt als Teil der Spencer Davis Group sowie des Duos Hardin & York. Durch den Abend führt Fritz Egner, eine Institution des bayrischen Rundfunks. Kurz vor 20 Uhr ertönt der Gong, welcher die Zuschauer im guten Alter auf ihre Plätze bittet. Der Circus Krone wurde heute in eine kleine Konzerthalle umfunktioniert. Von der Manege ist nichts mehr zu sehen, nur das Dach erinnert noch an die eigentliche Funktion dieses Prachtbaus. Vor nicht ganz ausverkauftem Haus betritt Fritz Egner pünktlich die Bühne und beginnt seine Laudatio auf Pete York. Nacheinander werden die Musiker vorgestellt, welche sich Pete York zu seinem Ehrentag eingeladen hat. Vereinzelt hört man schon begeisterte Jubelrufe als Namen wie Klaus Doldinger, Maggie Bell oder auch Chris Thompson erwähnt werden. Der Letztgenannte scheint sowas wie der persönliche Liebling von Fritz Egner zu sein und deshalb wird er auch nicht müde schon vor Beginn des Konzertes alle Titel, welche die „Stimme“ von Manfred Mann’s Earth Band heute Abend singen wird, preiszugeben. Damit wird zwar der Überraschungseffekt gekillt aber ein Radiomoderator der alten Schule kann es halt nicht lassen die folgenden Songs schon vorher anzusagen. Zum Schluss stimmt Fritz noch ein „Happy Birthday“ für das Geburtstagskind an und der Saal singt schon vor Beginn des Konzerts begeistert mit. Dass Pete York seinen 70ste Geburtstag allerdings schon im August gefeiert hat, interessiert an diesem Abend niemanden.

Die Bühne ist freigegeben und die vertrauten ersten Takte von „Keep on Running“ hallen durch den Circus. Pete haut ins Schlagzeug und seine Kollegen Miller Anderson und Colin Hodgkinson von der Spencer Davis Group begleiten ihn an Gitarre und Bass. Anschließend holt man sich einen Saxophonisten dazu und zwar keinen Geringeren als den 76 jährigen Klaus Doldinger. Seine Filmmusik zu Kinoerfolgen wie „Das Boot“ oder „Die unendliche Geschichte“ sind jedem bekannt. Dieser vielseitige Musiker fühlt sich aber primär im Jazz zu Hause und in dieser Richtung geht es auch weiter. Er begeistert am Saxophon wie auch Colin Hodgkinson mit tollen Soli am Bass. Die Interpreten auf der Bühne werden munter durchgemischt. Auch der ehemalige Schlagzeuger von den Scorpions Herman Rarebell gibt sich die Ehre und liefert sich mit Pete York einen beeindruckenden Schlagabtausch an den Drums. Es wird nicht langweilig. Das Publikum im Circus Krone kommt voll auf seine Kosten. Es folgt die Jazzröhre Maggie Bell, welche gern mit Janis Joplin vergleichen wird. Die Zuschauer bekommen heute alles geboten: Blues, Boogie-Woogie, Jazz, Swing und Rock’n’Roll. Am Piano erleben sie den überragenden Christoph „Boogie Wolf“ Steinbach, der mit seinem extrem schnellen Klavierspiel alle begeistert. Auch Eddie Hardin, der lange Wegbegleiter und Freund von Pete York hat sich an der Elektroorgel eingefunden und haut in die Tasten. Aber jetzt ist Fritz Egner wieder an der Reihe und kann nun endlich seinen Liebling Chris Thompson ansagen. Chris hat extra zu Ehren von Pete eine Krawatte angelegt. Mit einem „Ready Eddy?“-Ruf Richtung Orgel vergewissert er sich ob dieser auch bereit für etwas Rockmusik ist. Eddy erwidert es mit dem Intro zu „Davy’s On The Road Again“. Das Publikum muss nicht lang zum Mitklatschen aufgefordert werden. Rock’n’Roll!
Hin und wieder gibt es ein paar Anekdoten aus dem langen Musikerleben von Pete. Er erzählt von seiner Zeit auf Bali und wie er sich mit den Einheimischen nur durch Gesten verständigte. Diese führt er gern zur Belustigung der Zuschauer vor. Nach 90 Minuten gibt es für Band und Publikum eine Pause. 

Das Pete York Blues Project leitet unter der Stimme von Maggie Bell den zweiten Teil des Konzertes ein. Maggie bedauert, dass nach dem heutigen Abend auch ihr Blues Project sein Ende findet und die Musiker sich entweder zur Ruhe setzen oder separate Wege gehen. Nach drei Titeln gibt es Standing Ovations für die leidenschaftlichen Musiker. Ein weiteres Mal darf Fritz Egner Chris Thompson ankündigen und Kracher von Manfred Mann’s Earth Band folgen. Nach „Blinded By The Light“ und „The Mighty Quinn“ geht es langsam dem Ende zu. Die Musiker versammeln sich auf der Bühne, 12 an der Zahl, und zusammen tönt es „Gimme Some Lovin‘“ – den größten Hit der Spencer Davis Group. Fritz Egner und das Publikum verlangen daraufhin kräftig nach Zugabe. Diese folgt mit „You’re The Voice“ – einem weiteren Titel von Chris Thompson, welcher durch die Interpretation von John Farnham zum Welthit wurde.
Ein älterer Herr dreht sich nach Schluss zu mir um und sagt: „Die Briten haben es einfach drauf. Was für ein Konzert!“

Pete York Birthday Party
Fotos: Patrick Schmidt


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