Doppelt hält besser – Trade Wind & Stick To Your Guns

Veröffentlicht am 08 Feb ,2016 | von Patricia Markert

Doppelt hält besser – Trade Wind & Stick To Your Guns

07. Februar 2016 – München, Backstage Werk

Dieser Konzert-Sonntag beginnt bereits recht früh um 18:30 Uhr in der kleinen Backstage Werkstatt mit TRADE WIND. Bestehend aus dem Stray From The Path-Gitarrist Tom Williams und dem Stick To Your Guns-Sänger Jesse Barnett schlagen sie ungewohnt ruhige Töne an. Aber mal von Anfang. Als wir Punkt 18:30 Uhr im Backstage ankommen, spielen die beiden bereits den ersten Song. Wir hören sie, aber sehen sie nicht. Denn in der Werkstatt wurden Stühle aufgebaut, diese verhindern leider die optimale Nutzung der Fläche. Die sitzenden Zuschauer sowie die ersten stehenden dahinter sehen alles von beiden, dahinter wird es allerdings schwierig. Ohne die Stühle hätten sicher mehr Leute Platz gehabt. Einige stehen hinten und hören und sehen rein gar nichts. Der Sound ist leider sehr schlecht: zu leise und die Boxen knacksen die ganze Zeit. Gerade für diese Art von Musik wäre ein guter bis grandioser Sound essentiell. Das dauerhafte Rauschen erinnert schon leicht an einen Tinitus. Schade, denn wenn man anfängt, sich darauf zu konzentrieren, ist leider die ganze Athmosphäre hin. Das merkt man auch, denn es herrscht rein gar keine Stimmung. Einzig nach den Songs wird geklatscht. Verwirrend sind die anfangs fehlenden Ansagen von Sänger Jesse denn er spricht bekannter weise gerne und viel wenn er mit seinen Bandkollegen von Stick To Your Guns auf der Bühne ist. “I talk a lot with my other band and I try to talk less with this band.” Erklärt er sich. Wir sind beruhigt, dennoch fehlte der Kontakt zu den Fans komplett. Erst nach dem dritten oder vierten Song, schauten die beiden das erste Mal das Publikum an und stellten sich vor. Das Konzert besteht aus sechs eigenen Songs und einem Coversong. Da die Band noch nicht lange existiert, arbeiten sie noch an eigenen Songs und geben nur auf Tour Fans die Möglichkeit, sich schon mal mit ihnen anzufreunden. Tom´s E-Gitarre harmoniert perfekt mit der Akustikgitarre von Jesse. Besonders schön ist der vorletzte Song: Ein Cover von dem Oasis-Song “Wanderwall”. In diesem kommt Jesse´s klare Stimme perfekt rüber. Sie bedanken sich und verabschieden sich mit einem kurzen “see you later over there”.

Direkt nachdem die beiden die Bühne verlassen, beginnt die Mini-Wanderung von der Werkstatt in das Werk direkt nebenan um pünktlich die erste Band WOLF DOWN zu sehen. Die Deutsche Handcore Band “aus ganz Deutschland” (O-Ton des Sängers) überrascht uns äußerst positiv vom ersten Moment an. Sie haben eine angenehm-aggressive Ausstrahlung auf der Bühne, jedes einzelne Bandmitglied ist vom ersten Ton an am Start und begeistert das Publikum. Beim vorletzten Song übernimmt Stick To Your Guns-Jesse für einen kurzen Moment das Mikro und weckt den letzten Zuhörer auf. In der Hardcore-Szene wird man sicher noch viel von ihnen hören/sehen. Wir freuen uns darauf.

Die Nächsten in der Reihe sind COUNTERPARTS, die bereits diverse Touren durch Deutschland hinter sich haben. Wir möchten gar nicht detailliert auf sie eingehen, da sie uns jedes mal gleich-wenig begeistern, leider. Sänger Brandon hat offensichtlich keinen Bock und lässt es raus hängen. Trotz dessen, dass sich immer mehr Leute im Backstage einfinden, ist die Stimmung wesentlich schlechter als bei Wolf Down, zurecht. Nach 30 Minuten ist´s geschafft.

21:00 Uhr kommen die New Yorker STRAY TO YOUR PATH auf die Bühne und sind stark, sehr stark. Niemand steht mehr still. Sänger Drew macht Ansagen gegen Nazis und Ian Watkins (Ex-Sänger von der Band Lost Prophets der wegen Kindesmissbrauchs glücklicherweise für lange Zeit weggesperrt wurde). Das finden wir gut, das Backstage applaudiert zustimmend. Die Stimmung ist bei ihnen wieder viel besser als bei Counterparts. Das Publikum, bestehend aus ca 80 % Männern geht ab im Circle Pit und sind viele Songs wortwörtlich mit. Wir warden definitiv wieder hin gehen, wenn uns die Amerikaner mal wieder beehren. Toll.

Die kalifornischen Headliner STICK TO YOUR GUNS stürmen kurz vor zehn die Bühne und werden euphorisch gefeiert. Die 20 % Mädels sind offensichtlich wegen ihnen hier, denn die vorderen Reihen verändern sich dezent. 800 Leute haben diesen Abend den Weg ins Backstage gefunden um die Hardcore-Szene zu unterstützen und zu feiern. Bei den bekanntesten Songs “We Still Believe”, “Amber” und “Against Them All” ist kaum noch die Stimme von Sänger Jesse zu hören weil alle laut mitgröhlen. Genau so muss es sein. Erneut viele Crowdsurfer und Circle Pits, als Jesse sich ans Publikum stellt, drängen die Fans zu ihm um in das Mikro zu singen. Selten wird es emotional bei Konzerten dieser Art aber heute ist es bei der Ankündigung zu “The Crown” der Fall. Jesse erzählt er von seinem Vater, der sicher nicht alles richtig gemacht hat, wie die meisten aber dennoch das Beste für ihn getan und ihn immer unterstütz hat. Er ist ihm dankbar für alles und denkt noch immer oft an ihn. Er ist bekannt für nachdenkliche aber nie gleiche Ansagen wie z.B. dass man jeden Tag nutzen soll, sich nicht alles gefallen lassen muss und jeder so akzeptiert wird wie man ist. Niemand ist perfekt. Das kommt an beim Publikum, denn gerade Rocker, Metaller und Punker können es gut nachvollziehen, von der Seite schräg angeguckt zu warden. An diesem Abend feiern alle gemeinsam und freuen sich über den regelmäßigen Besuch der fünf Männer aus Orange County. Leider ist der spaß bereits nach einer knappen Stunde vorbei. Einziger Kritikpunkt also: die Spielzeit. Aber daran können sie noch arbeiten. Wir gehen glücklich und durchgeschwitzt nach Hause und freuen uns auf die nächste Show der Bands.


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